Alternde Belegschaften in Krankenhäusern – ein europäischer Erfahrungsaustausch von Lösungsstrategien und Modellen guter Praxis zur Bewältigung der demographischen Herausforderung im Betrieb und in der Region - ABiK

Fast 9 % der Erwerbsbevölkerung in der EU – ca. 21 Millionen Menschen  - sind im Gesundheits- und Sozialbereich beschäftigt. In vielen Mitgliedsstaaten ist hier der Anteil älterer ArbeitnehmerInnen aktuell schon relativ hoch, er wird sich in Ländern mit negativer demografischer Tendenz in den kommenden Jahren dramatisch weiter erhöhen.
Für das Bundesland Niedersachsen wird zum Beispiel bis 2025 ein Bevölkerungsrückgang von 4,1 % prognostiziert. So wird der Anteil der 50-60jährigen an der Gesamtbevölkerung von 13,6 % im Jahr 2010 auf 16,7 % im Jahr 2020 steigen. Der Anteil der Hochbetagten (80 +) steigt von 4,5 % im Jahr 2005 auf 6,3 % im Jahr 2020 (Statistische Berichte Niedersachsen. Die Ergebnisse der regionalen Bevölkerungsvorausschätzung für Niedersachsen bis zum 1.1.2021, Hannover 2005).  Quer durch alle Branchen werden hier deshalb Überlegungen angestellt und Projekte initiiert, die auf den demografischen Wandel angemessen reagieren.
Das Thema wird ebenfalls im europäischen sozialen Dialog im Krankenhaussektor und im Gesundheitswesen diskutiert. 2013 ist eine gemeinsame Vorgehensweise vereinbart worden. Ziel ist, die Unterstützung der Sozialpartner, der EntscheidungsträgerInnen auf lokaler und sektoraler Ebene, der Beschäftigten und der Arbeitgeber bei der Bewältigung der Herausforderungen, die mit der zunehmenden Alterung von Angehörigen in Gesundheitsberufen einhergehen. Einige Sozialpartner im Gesundheitswesen verschiedener europäischer Länder haben zur nachhaltigen Bewältigung des Demografieproblems vielfältige Ideen und Projekte entwickelt.
Ver.di vertritt die Beschäftigten in den Krankenhäusern und im Gesundheitswesen und ist eines der größten Mitglieder im EGÖD. Der soziale Dialog im Krankenhauswesen in Niedersachsen ist gut entwickelt. Ein gezielter europäischer Austausch in einer ähnlichen Betriebsstruktur (Krankenhäuser) über Problemlösungsstrategien und Beispiele guter Praxis führt bei allen Projektbeteiligten zu praktischen Lernerfolgen und zu Synergieeffekten, die den Beschäftigten in Niedersachsen und den europäischen Partnerländern zugutekommen.
Es ist geplant, einen Austausch mit Gewerkschaftsorganisationen aus 5 Ländern (Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Ungarn und Serbien) zu organisieren.
Für dieses Projekt konnte die Unterstützung des Europäischen Gewerkschaftsverbandes für den öffentlichen Dienst  (EGÖD) gewonnen werden. Im Rahmen des Projektes sollen drei Fragestellungen behandelt werden:
1.    Betriebliches Gesundheitsmanagement: wie werden die unterschiedlichen Arbeitsplätze in Krankenhäusern alter(n)sgerecht eingerichtet und wie wird das Bewusstsein der Belegschaften für die eigene Gesundheit entwickelt (Verhältnis- und Verhaltensprävention)? Welche guten Beispiele gibt es in den unterschiedlichen  Ländern? Wie können sie adaptiert werden?
2.    Gesund führen: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nur erfolgreich, wenn es auf allen Managementebenen mit entsprechenden Führungskonzepten unterstützt wird. Welche Managementkonzepte haben sich hier in der Praxis als besonders erfolgreich erwiesen? Wie müssen  diese Konzepte sein, damit sie in andere (Betriebskulturen und Länder übertragbar sind?
3.    Work Life Learn Balance: Welche Strategien werden von den Sozialpartnern entwickelt und gemeinsam getragen, um für das gesamte Berufsleben eine demografiefeste Balance zwischen Arbeit, Freizeit/Familie und lebensbegleitendem Lernen herzustellen? In welchen Ländern gibt es hier schon Ansätze und wie können diese Ansätze gemeinsam für die betriebliche Praxis weiter entwickelt werden?